Mittwoch, 23. April 2014

Der Kanon des Neuen Testaments – Eine Kritische Analyse



Der Kanon des Neuen Testaments – Eine Kritische Analyse

Der Begriff ‘‘Kanon‘‘
Nach seiner Herkunft ist der Begriff Kanon (κανών) ein semitisches Lehnwort ,  das ursprünglich die Bedeutung  ‘‘Schilfrohr‘‘  besaß, dann aber die Bedeutung ‘‘Meßstab‘‘ annahm und so schließlich die Bedeutung  ‘‘Standard, Norm‘ oder Regel enthielt. Im Laufe der Zeit erhielt es dann die rein formale Bedeutung  ‘‘Liste‘‘ oder  ‘‘Tabelle‘‘.  Im Sprachgebrauch der Kirche in den ersten drei Jahrhunderten bezeichnete der Begriff Kanon den dogmatischen und ethisch verbindlichen Inhalt des christlichen Glaubens. Erst im 4. Jahrhundert  bezeichnete er die Gesamtheit der Bücher die zum AT und NT gehören.  So meint der Begriff heute die abgeschlossene Sammlung von Texten, die als unverbindlich Heilige Schrift wahrgenommen werden.  Die ersten Christen besaßen natürlich keinen ntl. Kanon; sie stützten ihren Glauben auf das durch die Apostel und andere Personen verkündigte Evangelium und auf die Bücher, die wir heute als den atl. Kanon bezeichnen. Die Historische Frage lautet also wie folgt: Wie kam es zur Anerkennung der 27 Bücher unseres Neuen Testaments?

Abfassungszeit der Schriften des Neuen Testaments
Die Abfassungszeit der Schriften, die uns heute im Neuen Testament begegnen, liegt nach Meinung der meisten Experten in den etwa 50 Jahren von der zweiten Hälfte des 1. Jahrhunderts bis zum Ende. Die frühesten Schriften des NT sind die Briefe des Paulus, die etwa zwischen 50 und 60 n.Chr. verfasst worden sind.  Nach allgemeiner Auffassung ist das Markus Evangelium das älteste der vier kanonischen Evangelien; es wurde etwa 60-70 n.Chr. verfasst. Auf Markus folgt zeitlich gesehen die Abfassung des Matthäusevangeliums in der Zeit zwischen 70 und 80 n.Chr. Das Lukas Evangelium wurde zwischen 80 und 90 n.Chr. verfasst, das Johannesevangelium- als das letzte der vier - etwa 90-100 n.Chr.  Jedoch gibt es hier einige Forscher (und nicht wenige) die diese Schriften wie z.B die ersten drei Evangelien in die fünfziger Jahre datieren.  Was feststeht ist die Tatsache, dass soweit alle 27 Bücher des Neuen Testaments im 1. Jahrhundert der Jüdischen Überlieferung verfasst sein müssen. Einige wenige liberale NT’ler wie Münsteraner Neutestamentler Thomas Witulski datieren den 2. Petrusbrief auf ca. 120-130 n.Chr. und die Offenbarung auf 134 n.Chr.

Gnosis und Marcion
Bevor wir uns den 27 Büchern zuwenden schauen wir uns kurz nochmal eine andere wichtige Sache an. Ab der Mitte des 2. Jahrhunderts n.Chr. beginnt  die synkretistisch-esoterische Strömung der Gnosis, die sich verstärkt in christlichen Kreisen ausbreitete. Gnostiker vertraten die Lehre, dass ausgewählte Seelen, die als göttliche Lichtfunken infolge einer vorkosmischen Katastrophe zeitweise in physischen Leibern gefangen waren, mittels einer speziellen Gnosis (=Erkenntnis) ihres Ursprungs und Ziels Erlösung erlangen konnten. Die Absicht der ausgedehnten gnostischen Literatur , die sich entwickelte, bestand nicht nur darin, die Gläubigen über den Ursprung und den Aufbau der sichtbaren Welt und der Welten über ihr zu instruieren, sondern auch darin, die Mittel an die Hand zu geben – und das war die bedeutendste  und schwierigste Aufgabe -, mit deren Hilfe man Sieger über die Mächte der Dunkelheit werden und zurückkehren konnte in den Bereich des höchsten Gottes. Im Neuen Testament gibt es etliche Hinweise darauf, dass die Durchdringung des Christentums durch die Gnosis schon im Fortschreiten war.  Die verschiedenen gnostischen Gruppierungen bilden ein äußerst umfangreiches Schrifttum heraus, das sich oft auf Apostel oder gar Jünger beruft (etwa "Die Geheimlehre des Johannes", "Das Evangelium des Jakobus" etc.). Diese Schriften unterscheiden sich radikal von dem, was eigentlich christlich war. Es geht in diesen Schriften vielmehr darum, das eigene gnostische Gedankengut (oft auf allegorische Weise) darzustellen. Um den Christen eine Richtschnur (vgl. Wortbedeutung von "Kanon", s.o.) und Orientierung zu geben wurde es daher notwendig, bestimmte Schriften als nicht rechtgläubig zu klassifizieren und eine maßgebliche Sammlung zusammenzustellen.  Den eigentlichen Impuls zur Kanonbildung gab jedoch der "Erzketzer" Marcion, der um 140 n.Chr. in Rom lehrte. Er vertrat eine "Zwei-Götter-Lehre". Der Gott des Alten Testaments war für ihn der böse, strafende Rächergott. Im Neuen Testament werde hingegen der höchste, gütige und wahre Gott verkündigt. Daher verwarf Marcion das Alte Testament und hielt die christliche Auslegung der Lehre Jesu ebenfalls für falsch. Denn die Kirche lehrte in Anlehnung an das NT ja Christus als Offenbarer des jüdischen Gottes. Das konnte für Marcion nicht sein, da Jesus ganz klar das jüdische Gesetz aufhebe. Marcion schuf sich daher einen "Kanon" mit seiner Meinung nach wahrhaftigen Schriften. Er verwarf alle Evangelien, bis auf das des Lukas, den er für einen Begleiter des Paulus hielt. Außerdem hatte er keine Scheu, Passagen, die seiner Auffassung nach falsche Lehren enthielten, aus dem Text zu streichen, so dass ein dem Sinn nach völlig anderes Dokument dabei herauskam.
Auch auf diese Irrlehre musste die Kirche reagieren. Und das tat sie in der Form, dass sie bestimmte Schriften ausdrücklich zum Gebrauch im Gottesdienst bestimmte.
Nach welchen Kriterien wurden nun aber die Schriften ausgewählt, die ins Neue Testament Eingang gefunden haben?

Kriterien der Kanonizität
Viele behaupten ja der Kanon sei von den Konzilen (367) bestimmt worden.  Es trafen sich einige Christen und sortierten schön und fachlich nach ihren eigenem Ermessen Bücher ein-und aus. Das ist jedoch nicht was früher wirklich geschah.  Wir müssen uns Fragen welche Kriterien die frühen Christen anlegten, um den Wert bestimmter Bücher festzustellen. Vertreter der Patristik pflegten gelegentlich mehr oder weniger sorgfältig begründet auf bestimmte Kriterien hinzuweisen, die für die Frage der Kanonizität Bedeutung haben sollten. Diese wurden zu verschiedenen Zeiten und an verschiedenen Orten verschieden definiert, aber auf folgende bezog man sich häufig ganz bewusst: a) den theologischen Inhalt einer Buches, b) historische Erwägungen bei der Verfasserfrage und c) allgemeine Akzeptanz in allen Kirchen.
1.       Eine grundlegende Voraussetzung für die Kanonizität war die Übereinstimmung eines Textes mit der ,,Glaubensregel‘‘, also die Übereinstimmung des Dokumentes mit dem rechten Glauben, d.h. mit der christlichen Wahrheit, wie sie in den verschiedenen Kirchen verbindlich gelehrt wurde. Obwohl einige Forscher bestreiten, dass es in der nachapostolischen Zeit eine klare Unterscheidung zwischen Orthodoxie und Häresie gab, und erst Recht nicht z.Z. des Neuen Testaments, kann man dennoch ohne Probleme die Wurzeln dieser Unterscheidung in Texten wie Galater 1,8; Kolosser 2,8; 1.Timotheus 6,3; und dem 1. und 2. Johannesbrief entdecken. Schon bei Ignatius von Antiochia (gest.ca. 110 n.Chr.) trifft man auf das deutliche Bemühen, die wahre Lehre von der falschen zu Unterscheiden.
2.       Um zu bestimmen, ob eine Schrift in das Neue Testament gehörte, frage man nach ihrer Apostolizität. Wenn der Verfasser des Canon Muratori sich gegen die Aufnahme des Hirten des Hermas in den Kanon ausspricht, so tut er das, weil die Schrift zu neuen Datums ist uns ihren Platz weder unter den Propheten, deren Zahl abgeschlossen ist, noch unter den Aposteln finden kann. Wie die Propheten für das Alte Testament stehen, so stehen die Apostel praktisch für das Neue. Das bedeutet, dass tatsächliche oder vermeintliche Apostolizität einer Schrift zunächst einmal Anspruch auf Autorität verlieh, und so hatte dem Apostel Paulus zugeschriebener Brief deutlich bessere Chancen, als apostolisch anerkannt zu werden, als einer der Montanisten Themiso. Bei Markus und Lukas waren es die Überlieferungen über ihre engen Beziehungen zu den Aposteln Paulus und Petrus, die ihre Bücher aufwerteten. Der Canon Muratori zeigt übrigens noch das gesunde Gespür dafür, dass apostolische Autorität nicht einfach eine Frage der dogmatischen Zuschreibung ist. Bei allem, was der Autor über die historischen Bücher des Neuen Testaments sagt, besteht er auf der Kompetenz des Verfassers als Augenzeuge oder Historiker.
3.       Kaum weniger wichtig ist als Kriterium für die Kanonizität die Frage, ob ein Text in den verschiedenen Kirchen überall im Reich verbreitet, beständig in Verwendung ist und auch als kanonisch akzeptiert wird. Deshalb betont Hieronymus, dass es nicht entscheidend sei, wer den Hebräerbrief verfasst hat, da er in jedem Fall das Werk eines ,,Mannes des Kirche‘‘ ist (ecclesiastici viri, mit diesem Begriff wird bezeichnet, wer in Übereinstimmung mit der kirchlichen Lehre steht, eine Variante des ersten Kriteriums) und auf jeden Fall beständig in den Christlichen Gemeinden gelesen werde (Briefe 129). Auch wenn die lateinische Kirche den Hebräerbrief erst allmählich als kanonisch ansah und die griechische Kirche die Offenbarung erst nach und nach als kanonisch anerkannte, betrachtete Hieronymus beide als kanonisch; ein Grund für ihn war, dass viele Kirchenväter beide als kanonisch eingestuft haben.

Apostolischen Kirchenväter
Als apostolische Väter werden christliche Autoren von kirchlich bedeutsamen Schriften aus dem späten ersten und der ersten Hälfte des zweiten Jahrhunderts bezeichnet, die persönliche Beziehungen zu Aposteln gehabt haben oder stark von den Aposteln beeinflusst wurden, also Kirchenvätern der zweiten und dritten Generation. Ebenfalls als die apostolischen Väter wird ein Kanon aus überlieferten Schriften dieser Kirchenväter bezeichnet. Da von vielen angenommen wird, dass der Kanon erst so viel später im 4. Jahrhundert feststand, dem sei auf die Schriften der apostolischen Kirchenväter verwiesen. Da weder die späte Kirche den Kanon festlegte, sondern nur gewisslich die Bücher anerkannte und sich mit dem o.g. Kriterien befasste – sind wir gezwungen uns die frühen Kirchenväter anzuschauen.  Was irgendwie immer übersehen wird ist die Tatsache, daß der Großteil der Bücher des NT (den wir heute besitzen) von den Kirchenvätern als Authentisch anerkannt und in ihren Briefen indirekt zitiert wurde. Vergessen wir nicht, dass die frühen apostolischen Väter Kontakt mit den Apostel oder Augenzeugen hatten. Hier sei also folglich auf die Schriften dieser Väter verwiesen.

Clemens von Rom
Hier haben wir Dokumente des Clemens von Rom - sein Schreiben unter dem Titel 1.Clemens wird auf das Jahr 95/96 n.Chr. datiert, wobei A.T. Robinson (Redating the New Testament, London 1976, 327-335) ihn auf 69 bzw. 70 n.Chr. datiert. Clemens war ein prominenter Führer Roms.  Zwar hatte sein Brief nur einige Zitate des Neuen Testaments (oder indirekte Formulierungen die auf diese Briefe und Berichte schließen lassen), doch können wir damit schon eine Handvoll wichtiger und inspirierter Schriften als belegt sehen. Hier wären u.a das Matthäus, Markus und Lukas-Evangelium. Das Zeugnis des Clemens hinsichtlich einiger der paulinischen Briefe ist deutlicher. In Kapitel 47 lädt er seine Leser in Korinth ein, den Brief, den ,,der gesegnete Apostel Paulus‘‘ ihnen gesandt habe, zu konsultieren. Er tut das in einer Weise, die den Schluss nahelegt, dass eine Kopie des Paulusbriefes sowohl in Rom als auch in Korinth zugänglich war.  Anderswo scheint Clemens genaue Anspielungen auf einige  andere Briefe des Paulus, d.h. Römer, Galater, Philper und Epheser zu machen. Dies setzt die Existenz Paulinischer Briefe und deren mutmaßliche Authenzität in der frühen Kirche voraus.  Neben der Bezugnahme auf verschiedene Briefe des Paulus macht Clemens des öfteren Anspielungen auf den Hebräerbrief. Diese Anspielungen sind über die hälfte seines Briefe (17, 1, 5; 19,2; 21,9; 27,2) verstreut und erreichen einen Höhepunkt in 36,2-5, einem Abschnitt der praktisch ein Echo auf Hebräer 1,1-3 ist. Anderswo flicht Clemens gelegentlich Redewendungen ein, die einige dazu geführt haben, daran zu denken, er hätte auch die Apostelgeschichte, den Jakobusbrief und 1. Petrus gekannt.  Wie gesehen finden wir hier als Autoritäre Anerkennung die drei synoptischen Evangelien, 6 Paulusbriefe und vermutlich auch die Apostelgeschichte, der Jakobus und der 1. Petrusbrief. Daß das Johannes-Evangelium fehlt lässt darauf schließen, die Datierung des Briefes von Clemens auf die Datierung von A.T. Robinson zwischen 69/70 n.Chr.  zu schließen. Dr. Bruce Metzger gibt aber zu bedenken ,,Auch wenn diese Schriften für Clemens offentsichtlich beachtenswerte Bedeutung besitzen, bezieht er sich niemals als autoritative Schrift auf sie‘‘ (Der Kanon des Neuen Testaments, P. 52).     

Ignatius von Antiochien
Origenes zufolge war Ignatius der zweite Bischof von Antiochien und Nachfolger des Apostel Petrus: Hält man sich an Eusebius, war er der dritte  und folgte auf den Nachfolger des Petrus Euodius. Von seinem Leben ist nichts bekannt außer seiner Reise unter militärischer Bewachung von Antiochien nach Rom, wo sein Martyrium unter dem Kaiser Trajan um 110 stattgefunden haben soll. Unterwegs schrieb Ignatius sieben Briefe, die als echt und zuverlässig anerkannt worden. Er schrieb vier von Smyrna und drei aus Troas. Dr. Bruce Metzger hierzu:
,,Der Stil seiner Briefe ist von unnachahmlicher Originalität. Geschrieben in einem abrupten und inkohärenten Stil, überladen mit Metaphern und ausladender Rhetorik, bezeugen sie nichtsdestoweniger einen so starken Glauben und eine so überwältigende Liebe zu Christus, dass sie zu einem der schönsten literarischen Zeugnisse des Christentums während des zweiten Jahrhunderts werden.  Es stimmt mit dem Stil des Ignatius und insbesondere mit den Umständen, unter denen sie Briefe geschrieben wurden, überein, dass die Zitate kurz und gering an Zahl sind. Offensichtlich aus dem Gedächtnis zitiert.‘‘ (Der Kanon des Neuen Testaments, Dr. Bruce Metzger, P. 53)
Durch all seine Briefe hindurch bedient sich Ignatius häufig einer Sprache, in der das Echo charakteristischer Redewendungen, wie sie sich in den paulinischen Schriften finden, zu vernehmen ist. Es finden sich in seinem Brief  Briefe Sprüche und Anspielungen vom Apostel Paulus. Diese wären u.a 1. Korintherbrief.  Was die Synoptischen Evangelien angeht, finden sich bei Ignatius deutlichere Parallelen zu Matthäus als zu Markus und Lukas. Jedoch waren auch die beiden anderen Synoptiker dem Ignatius vermutlich bekannt.  Hier sei auf einen seiner Briefe verwiesen (Smyrna 3:1-2). Im Gegensatz zu den spärlichen Anspielungen auf die Synoptiker weisen die Briefe des Ignatius nicht selten Anklänge an das vierte Evangelium auf. Es sind genug Anklänge an die johanneische Theologie vorhanden.   Andere Hinweise in einem seiner Briefe lassen auch Schlussfolgern, dass er den 1. Petrus gekannt und verwendet haben muss.  Er kannte sicher eine Sammlung von Briefen des Paulus, einschließlich, 1. Kor, Epheser, Römer, Galater, Philipper, Kolosser und 1.Thessalonicer, so Bruce Metzger. Es ist sehr wahrscheinlich , daß er die Evangelien nach Matthäus und Johannes kannte und vielleicht auch nach Lukas.

Die Didache
Die Didache ist ein kurzes Handbuch moralischer Unterweisung und kirchlicher Praxis.  Die Datierung verhält sich schwierig und wird demnach von einigen auf das erste Jahrhundert zugeschrieben – siehe hierfür J.-P. Andet (datiert sie auf 70.nChr.), E.J. Goodspeed (90 n.Chr.), wobei  A.T. Robinson meint, daß sie vor das Jahr 60 datiert werden sollte. Andere hingegen meinen eine Datierung ins vierte Jahrhundert geben zu müssen. Hier sei Charles Bigg sein Werk: ,,Doctrine of the Twele Apostels‘‘ empfohlen. Mit Sicherheit scheint sie das Leben einer frühen und vielleicht isolierten christlichen Gemeinschaft widerzuspiegeln. Sie besteht aus Sechzehn kurzen Kapiteln, wo wir Zitate und Anklänge aus Matthäus, Johannes und vielleicht aus dem 1. Korintherbrief finden.

Papius von Hierapolis
Unter den ersten, die ausdrücklich Interesse an frühchristlichen Schriften und an mündlichen Überlieferungen zeigten, war Papias, Bischof von Hierapolis in Phrygien, einer Stadt, in der die christliche Gemeinde durch die Anstrengungen von Epaphras, einem der Mitarbeiter des Apostels Paulus , gegründet worden war (Kol 4,12-13). Über das Leben des Papias ist über die Bemerkung des Irenäus hinaus (Adv.Haer. V 33,3-4) so gut wie nichts bekannt; daß er ,,ein Mann hohen Alters‘‘ war, der den Apostel Johannes noch hatte Predigen hören und der auch ein Freund Polykarps, des Bischofs Smyrna, der selbst Jünger des Apostel Johannes war, gewesen war. Von daher scheint es, daß Papias von etwa 70 n.Chr. bis um 140 gelebt haben muss. Papias verfasste um 130 fünf Bücher mit der Überschrift Auslegung der Worte des Herrn (griech. λογίων κυριακῶν ἐξηγήσεις), die jedoch nur fragmentarisch in Zitaten durch spätere Kirchenväter erhalten sind. Seine Bücher sind vor allem aufgrund der Fundamentierung auf die mündliche Überlieferung der Apostel von theologischer Bedeutung.   Papias ist die erste erhaltene Quelle, die Matthäus als Autor des Matthäusevangelium und den Markus als Dolmetscher des Petrus und Verfasser des diesem zugeschriebenen Evangeliums nennt. Somit sind Markus und Matthäus – beide anerkannt gewesen. Da wir leider nur noch Fragemente übrig haben, können wir soweit den Großteil der Werke und seine genannten Quellen nicht identifizieren. Anderen Stellen bei Eusebius, Hieronymus, Phillipus von Side und einigen späteren Kirchenvätern kann entnommen werden, dass Papias das vierte Evangelium, den 1. Petrusbrief, den 1. Johannesbrief und die Offenbarung des Johannes kannte und vermutlich auch akzeptierte. Hinsichtlich Lukas oder der Paulusbriefe hören wir in der uns erhalten gebliebenen Überlieferung nichts. Es ist mit großer Sicherheit anzunehmen, daß Papias die mündliche Überlieferung der Schriftlichen vorzog, jedoch sieht man bereits hier die Mechanismen am Werk, die diese Art der Überlieferung zugunsten einer Schriftlichen Evangeliums Überlieferung zurückdrängt. Die Hauptbedeutung, so Metzger ,,Papias‘ für die Entwicklung eines Kanons des Neuen Testaments liegt somit darin, daß mit ihm eine Gemeinschaft sichtbar wird, deren Hochachtung für die mündliche Überlieferung einer klaren Vorstellung der Idee eines Kanons noch im Wege stand‘‘ (Der Kanon des Neuen Testaments, Dr.Bruce Metzger, P. 63-64).

Der Barnabasbrief
Der Barnabasbrief ist ein Schriftzeugnis des frühen Christentums und gehört dem Textkorpus der Apostolischen Väter an. Es handelt sich nicht um einen Brief im eigentlichen Sinn, sondern eher um ein theologisches Traktat. Wie bei frühkirchlichen Briefen sonst oft der Fall, ist er auch nicht an eine Gemeinde adressiert. Der Autor wird nicht angegeben. Die Schrift sollte nicht mit dem sogenannten „Barnabasevangelium“ verwechselt werden. Der Autor des Briefes ist unbekannt. Sein Name mag Barnabas gewesen sein, doch die Assoziation mit dem neutestamentlichen Barnabas gilt als ausgeschlossen, da das Werk nach der Zerstörung Jerusalems geschrieben worden ist, die der Apostel Barnabas nicht mehr erlebt hat. Die Schrift ist antijüdisch und benutzt vielfach das in Alexandrien beliebte Mittel der Allegorie, um seine Argumente zu untermauern. Außerdem wird der Brief zuerst in Alexandrien erwähnt. Daher wird vermutet, er sei dort entstanden. Der Barnabasbrief kann aufgrund historischer Bezüge (Kap. 16, Verse 3-4) sicher auf die Zeit zwischen der Zerstörung des jüdischen Tempels in Jerusalem (70 n. Chr.) und dem Bar-Kochba-Aufstand (im Jahre 132) datiert werden. Eine genauere Datierung wird dann schwieriger, wobei einige Theologen aufgrund fehlender Zitate aus dem Kanon des Neuen Testaments eine relativ frühe Entstehung (Ende des 1. bis Anfang des 2. Jahrhunderts) annehmen. Eine kurze, isolierte Referenz in Kap. 4, Vers 14 zum Matthäusevangelium, Kap. 20, 16 bzw. 22, 14, kann auch Teil der damals noch verbreiteten mündlichen Überlieferung sein. Solche mündlichen Traditionen sind etwa in Kap. 7, 3 und 7, 5 erkennbar. Der griechische Text ist vollständig im Codex Sinaiticus (4. Jh) und dem Codex Hierosolymitanus (11. Jh.) erhalten. Daneben gibt es auch eine teilweise erhaltene, aber ungenaue lateinische Übersetzung aus dem 4. oder 5. Jahrhundert sowie einige spätere Handschriften. Mit Sicherheit anzunehmen ist, daß der Barnabasbrief das Matthäus-Evangelium kannte und verwendete. Ob Barnabas das Johannes-Evangelium kannte, ist weniger klar. Was des Barnabas Kenntnis der anderen Schriften des Neuen Testaments angeht, wird von einigen Autoren angenommen, daß es Anklänge an die beiden Timotheusbriefe gibt. Das Neue Testament wird sonst praktisch nicht erwähnt. Wenn er andererseits kurz vor oder nach 130 geschrieben hat, würde es sein Thema auch kaum erforderlich gemacht haben, viel aus den neutestamentlichen Büchern zu zitieren – wenn er einige kannte. Jedenfalls trägt sein Werk für die Entwicklung des Kanons wenig oder nichts bei.

Polykarp von Smyrna
Der Brief, den Polykarp, Bischof von Smyrna, an die Christen von Philippi schrieb, steht in enger Beziehung zu den Briefen und dem Martyrium des Ignatius. Der Name ist griechisch und bedeutet: „Der viel Frucht Bringende“. Polykarps Lebensdaten sind nicht genau gesichert. Der Überlieferung zufolge soll er zum Zeitpunkt seines Todes 86 Jahre alt gewesen sein. Wahrscheinlich wurde er im Jahr 155 von den Römern hingerichtet. Er wird auch der Zerstörer der heidnischen Götter genannt. Trotz der zeitlichen Nähe von Ignatius und Polykarb und ihrer Geistesverwandtschaft, was Christliche Tapferkeit angeht, zeigt sich Polykarp als Temperament, das weit weniger auf die Kirchenverfassung ausgerichtet ist, dafür aber eine wesentlich größere Vertrautheit mit dem Neuen Testament aufweist. Im Verhältnis zur Länge dessen, was sie geschrieben haben, hat Polykarp zwei- oder dreimal soviele Zitate und Anklänge an das Neue Testament wie Ignatius; von 112 biblischen Anklängen sind um die 100 neutestamentlich und nur ein Dutzend alttestamentlicher Art. Bei seinen Zitaten ermöglicht es sich, ein einigermaßen genaues Bild von der Autorität der Schriften, die Polykarp ihnen beimaß zu gewinnen. Man findet in seinen Zitaten Anklänge und eine Kombination vom Matthäus und Lukas. Aus den anderen neutestamentlichen Anspielungen Polykarps lässt sich seine Bekanntschaft mit folgenden Schriften erkennen: Römer, 1. Kor, Galater, Epheser, Philipper, 2. Thess sowie 1. und 2. Tim. Die Abwesenheit von Abklängen an 2. Kor., Kol, 1.Thess, Tit und Phil kann vielleicht als zufällig betrachtet werden (Der Kanon des Neuen Testament, Bruce Metzger, P. 68). Was die anderen neutestamentlichen Briefe angeht, so kennt Polykarp sehr wahrscheinlich den Hebräerbrief; er nennt Christus ,,den ewigen Hohepriester‘‘ (12:2; vgl. Hebräer 6:20; 7:3) und scheint Hebräer 12:28 anklingen zu lassen. Ebenso finden sich Anspielungen auf den 1. Johannesbrief und an den 1. Petrusbrief, den er praktisch auswendig gekannt haben muss, begegnen den ganzen Brief hindurch. Zusammenfassung: Der kurze Polykarbrief enthält verhältnismäßig mehr Anspielungen auf die Schriften des Neuen Testaments, als sie die anderen Apostolischen Väter aufweisen. Er hatte sicher eine Sammlung von acht paulinischen Briefen (einschließlich zweier Pastoralbriefe) zur Verfügung, und kannte mit dem Hebräerbrief zusammen den 1. Petrusbrief und den 1. Johannesbrief. Was die Evangelien angeht, zitiert er als Worte des Herrn Sätze, die wir bei Matthäus und Lukas finden. Irenäus überliefert Polykarp sei durch den Apostel Johannes zum Bischof von Smyrna eingesetzt worden. Die Schriften des Ignatius und des Papias dagegen deuten auf Johannes den Presbyter hin. Da die Annahme eines monarchischen Bischofsamtes bereits im 1. Jahrhundert den Quellen widerspricht – auch im Brief des Clemens an die Korinther finden sich nur Hinweise auf Älteste, aber kein Hinweis auf einen monarchischen Bischof – ist die Frage nach seinem Episkopat ohnehin irrelevant. Irenäus (* 120; † 200) schreibt in seiner Schrift Adversus häreses (2,22,5; 3,3,4) gegen die Gnostiker über Polykarp. Dieser sei vom Apostel Johannes kurz vor dessen Tode zur Regierungszeit Trajans (98-117) unterrichtet und zum Bischof von Smyrna eingesetzt worden. Irenäus bezeichnet sich selbst als einen Jünger Polykarps, welcher ihn in seiner Kindheit über die Apostel unterrichtet habe (Brief an Florinus, in Eusebs Kirchengeschichte 5,20,5-6 zitiert).
Tertullian (* 160; † um 225) nennt ebenfalls die Einsetzung Polykarps als Bischof von Smyrna durch den Apostel Johannes (Gegen die Häretiker, 32); sein Bericht basiert allerdings auf dem des Irenäus. Zu diesem Thema wird vermutlich auch noch eine nähere Analyse folgen.

Hermas von Rom
Das Buch Der Hirte des Hermas wurde um das Jahr 145 von Hermas in Rom geschrieben. Es wurde bis in das 4. Jahrhundert hinein in manchen christlichen Gemeinden im Gottesdienst vorgelesen. Hermas wird zu den Apostolischen Vätern gezählt. Das Buch ist eine bilderreiche religiöse Allegorie, in deren meisten Teilen eine derbe Gestalt, wie ein Hirte gekleidet, als Führer des Hermas auftritt. Sein Buch wurde in der frühen Kirche wegen seines moralischen Wertes hoch geschätzt und diente Athanasius zufolge als Handbuch für Katechumenen. Hermas zitierte ausdrücklich weder das Alte noch das Neue Testament. Zur gleichen Zeit jedoch entdeckt man hier und da das Echo der biblischen Worte und Ideen, die der Autor mit Fingerspitzengefühl handhabt und in neue Kombination einbezieht. Er scheint das Johannes-Evangelium und mindestens eines der synoptischen Evangelien (vermutlich Matthäus) gekannt zu haben, ebenso den Epheserbrief und den Jakobusbrief.  

Zusammenfassung
Die vorhandenen Werke der Apostolischen Väter sind von relativ schmalem Umfang und machen alles in allem einen Band von derselben Größe wie das Neue Testament aus. Mit Ausnahme des Hirten des Hermas der Didache und den Auslegungen des Papias sind alle von der Form her Briefe nach dem Modell Paulus. Da es bis in dieser Zeit (150 n.Chr.) noch keine richtige Liste gab, können wir hier nur vereinzelt Briefe des NT finden. Wir bekommen jedoch eine sehr gute Übersicht, welche Briefe den apostolischen Vätern als Autorität gedient haben. Zwar fehlen uns bestimmte Werke wie das von Papias – haben aber jedoch trotzdem eine solide Grundinformation. So ist zu sagen, daß der Kanon nicht von einem auf den anderen Zeitpunkt festgelegt wurde, sondern er eine Entwicklung durchmachte, die ihn schließlich zu dem machen, was er jetzt ist. Das war soweit die Zeit der Apostolischen Kirchenväter bis in die Zeit 150.n.Chr. Jedoch geht es noch weiter.

Der Kanon Muratori
Eine der ältesten und wichtigsten Quellen für die Kanonsgeschichte ist der sogenannte Canon Muratori, der in der Bibliotheca Ambrosiana in Mailand aufbewahrt wird. Er lässt sich ziemlich genau auf 160 n.Chr. oder etwas später datieren.
Es ist zweifellos so, dass die Sammlung von Marcion (s.O.) und anderen Häretikern die Kirche dazu zwangen, umfassendere und weniger von persönlichen Vorlieben bestimmte Listen zu veröffentlichen. In der gleichen Weise übte der Montanismus, welcher der Prophetie höchste Autorität in der Kirche verleihen wollte – eine Bedeutung, die sie nicht einmal z.Z. des Paulus hatte (vgl. 1.Korinther 14:37-38) – Druck auf die Kirche aus. Sie müsste öffentlich den Maßstab festlegen für das, was als rechtgläubig zu gelten hatte. Gegen Ende des 2.Jh. n.Chr. spiegelt der Kanon Muratori – obwohl selbst praktisch ohne Bedeutung für die Erforschung der Enstehung der darin Erwähnten Bücher – doch die Sicht des Großteils der Kirche wieder, indem er einen ntl. Kanon anerkannte, der sich kaum von unserem heute unterscheidet.
Der Kanon Muratori enthält:
> Die vier Evangelien
> Die Apostelgeschichte
> Den 1. und 2. Korintherbrief
> Den Galaterbrief
> Den Römerbrief
> Den Epheserbrief
> Den Philipperbrief
> Den Kolosserbrief
> Den 1. und 2. Thessalonicherbrief
> Den Philemonbrief
> Den Titusbrief
> Den 1. und 2. Timotheusbrief
> Den Judasbrief
> Den 1. und 2. Johannesbrief
> Die Offenbarung des Johannes

sowie
> Die Apokalypse des Petrus, wobei der Verfasser der Kanonsliste sagt, dass diese nicht von allen Christen anerkannt würde.


Gegenüber dem heutigen Neuen Testament fehlen also lediglich
> Der Hebräerbrief
> Der Jakobusbrief
> Der 1. und 2. Petrusbrief
> Der 3. Johannesbrief


Wie wir aber gesehen haben wurden der Hebräer, Jakobus und der 1. Petrusbrief von den frühen apostolischen Kirchenvätern anerkannt und darauf sollte somit großer Verlass sein. Aber diese Beobachtung allein reicht noch nicht aus, um den Zeitpunkt des Abschlusses der Kanonbildung zu ermitteln. J. Barton macht darauf aufmerksam, daß viele der Argumente, die benutzt wurden, um zu bestimmen, welche Bücher als Kanonisch galten, sich mit der Frage beschäftigen, ob und wie das Buch von den apostolischen Kirchenvätern zitiert wird oder ob es sich auf dieser oder jener Liste befindet (s.O.).   Weiterhin weißt er darauf hin, daß die Christen schon sehr früh ihre Schriften statt der weitverbreiteten Schriftrollen die Form des Codex verwendet haben. Aus diesem Grund konnten sie dann mehrere ntl.Schriften in einem Buch zusammenfügen.Von einigen Ausnahmen abgesehen, besitzen wir frühe und aus verschiedenen geografischen Regionen stammende Belge, dass die siebenundzwanzig Bücher, die unser NT ausmachen, in verschiedener Gestalt zu einem Codex zusammengefügt worden sind. Dies spricht aber dafür, daß diese Texte schon früh an verschiedenen Orten als kanonisch betrachtet worden sind.

Zur Enstehung des Kanons
Athanasius von Alexandrien (367.n.Chr.) gibt uns das frühste Verzeichnis neutestamentlicher Bücher, das genau unserem heutigen Neuen Testament entspricht. Dieses Verzeichnis befand sich in einer Festschrift an die Gemeinden.

Kurz nach Athanasius definierten zwei Verfasser, Hieronymus und Augustinus, den 27 Bücher umfassenden Kanon. (F.F. Bruce, The Books and the Parchment, P.112)

Polykarb (115 n.Chr.), Klemens und andere beziehen sich auf die Bücher des Alten und des Neuen Testaments mit der Aussage: ,,…wie geschrieben steht in diesen Schriften.‘‘

Justin der Märtyrer (100-165 n.Chr.) schreib in seinen Apologien 1.67: An dem Tage, den man Sonntag nennt, findet eine Versammlung aller statt, die in Städten oder auf dem Lande wohnen; dabei werden die Denkwürdigkeiten der Apostel oder die Schriften der Propheten vorgelesen, solange es angeht. Hat der Vorleser aufgehört, so gibt der Vorsteher in einer Ansprache eine Ermahnung und Aufforderung zur Nachahmung all dieses Guten. (Bibliothek der Kirchenväter Bd 12.)

In seinem Dialog mit Tryphon fügt er den Ausdruck ,,Es steht geschrieben‘‘ bei Zitaten aus den Evangelien hinzu. Sowohl er als auch Tryphon müssen gewusst haben, worauf sich dieses ,, Es steht geschrieben‘‘ bezieht.

Irenäus (180. n.Chr.). F.F. Bruce schreibt über dir Bedeutung von Irenäus: Seine Bedeutung liegt in seiner engen Verbindung zum apostolischen Zeitalter und in seinen ökumenischen Beziehungen. Aufgewachsen in Kleinasien zu Füßen Polykarbs, der ein Jünger des Johannes war, wurde er 180 n.Chr. Bischof von Lyon in Gallien. Seine Schriften attestieren die kanonische Anerkennung des vierfachen Evangeliums und der Apostelgeschichte sowie des Römer-, 1. und 2. Korinther-, Galater-, Epheser-,Philipper-, Kolosser-, 1. und 2. Thess-, 1. und 2. Timotheus-, Titus-, 1.Petrus –und 1.Johannesbriefes und der Offenbarung. In seiner Abhandlung Gegen die Irrlehren, III, ii, 8, wird deutlich, daß das Konzept des vierfachen Evangeliums im gesamten Christentum so unumstößlich geworden war, daß man es als feststehende Tatsache bezeichnen konnte, die so offenkundig und unumgänglich und selbstverständlich war wie die vier Himmelsrichtungen.
(F.F. Bruce, The Books and the Parchment, P.109)

Ignatius (50-115 n.Chr.): Ich wünsche nicht, wie Petrus und Paulus zu befehlen; sie waren Apostel (…) , ( Brief an die Tralleser 3:3)

F.F. Bruce schreibt: Als schließlich ein Kirchenkonzil – die Synode von Hippo (393 n.Chr.) – siebenundzwanzig Bücher des Neuen Testaments verzeichnete, erteilte es ihnen keine Autorität, die sie nicht bereits besaßen, sondern stellte lediglich ihre längst etablierte Kanonizität fest. (Der Beschluss der Synode von Hippo wurde vier Jahre später durch die Dritte Synode von Karthago neu verkündigt.) (F.F. Bruce, The Books and the Parchment, P.113)

Seit dieser Zeit gab es keine ernste Infragestellung der 27 akzeptierten Bücher, weder durch die römischen Katholiken noch durch die Protestanten.

Die wichtigsten Belege für den Neutestamentlichen Kanon
Die Apostolischen Kirchenväter (Polykarb, Ignatius, Clemens, ….)
Der sog. Canon Muratori (2. Jahrhundert n.Chr.)
Der Kanon des Eusebius von Cäsarea (Beginn des 4. Jh.s n.Chr.)
Der Kanon des Cyrill von Jerusalem (um 350)
Der Kanon der Synode von Laodicäa (um 363)
Der Kanon des Athanasius (um 367)
Der Kanon des Gregor von Nazianz (329-389)
Der Kanon des Amphilochius von Iconium (nach 394)
Der Kanon der dritten Synode von Karthago (397)

Schlussfolgerung: Schauen wir uns in der Geschichte ein wenig um, so haben wir festgestellt, daß die ersten Christen keinen eigenen Kanon hatten, wie wir ihn heute kennen und verstehen. Früher verbindete man damit den dogmatischen und ethisch verbindlichen Inhalt des christlichen Glaubens. Erst im 4. Jahrhundert  bezeichnete er die Gesamtheit der Bücher die zum AT und NT gehören. Da jedoch schon im 2.Jhr druck auf die frühe Kirche ausgeübt wurde – musste die Kirche handeln. Der Ntl. Kanon entwickelte sich im Laufe der Geschichte und wir haben gute Belge und Argumente dafür, daß wir ihn vertrauen und die 27 Bücher des NT mit Authentizität ansehen können. Das sollte jedem einen kleinen groben Überblick verschaffen. Wer sich in diese Materiere vertiefen möchte, der sei in den Quellenanhang verwiesen. Über fragliche Briefe wie 3. Johannes, 2. Petrus, Offenbarung des Johannes (….) dem sei empfohlen sich die angeführten Lektüren zu besorgen oder auf einen Artikel meinerseits zu warten.

Möge der Herr Jesus euch Segnen!

Dr. Michael Kruger - "How did the New Testament canon develop?"


Quellen:
Einleitung in das Neue Testament, Dr. D.A. Carson, Douglas J. Moo
Der Kanon des Neuen Testaments, Dr. Bruce Metzger
Die Bibel im Text, Dr. Josh McDowell
www.basiswissen-christentum.de
Jesus Christus



  



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